glutenfrei leben Pt. IV – the show must go on

Nachdem ihr jetzt ausführlichst über die 1. Woche bescheid wisst, folgt- wer hätte es erraten? – Woche ZWEI.

Montags in der zweiten Woche muss ich zum 1. Mal in der Mensa essen. Es ist nicht so einfach, persönlichen Geschmack, Angebot und aufpassen unter einen Hut zu bringen. Gluten ist ja nicht deklarationspflichtig und wie schon erwähnt enthalten Dinge, denen man mit gesundem Menschenverstand „Glutenfreiheit“ zuschreiben würde, oft aus irgendeinem Grund doch etwas mit Gluten. Zu nennen wäre hier z.B. Malzextrakt, der oft zum färben und süßen eingesetzt wird und Gluten enthält. Die Saucen in der Mensa müssen irgendwie abgebunden werden- ob das mit Mehl oder Stärke passiert, kann man von außen ja nicht sehen. Sind in den Gemüsebratlingen nicht doch auch Weizenbestandteile?

Ich entscheide mich für „Beilage mit Beilage“ und esse gekochte Kartoffeln mit gegartem Gemüse und dazu eine Mayonnaisige Salatsauce, von der ich hoffe, dass sie kein Gluten enthält, aber ich bin hungrig und pokere somit, was die Sauce angeht. Gut, zugegeben, es ist kein Festmahl, aber man kann’s essen.

Nach der Uni muss ich mir Gedanken über’s Abendessen machen und mein Kopf fühlt sich leer und ideenlos und unkreativ an. Sich ständig so viele Gedanken machen zu müssen ist ganz schön anstrengend. Zum Glück spuckt mein Kopf dann noch die rettende Idee aus: AUFLAUF! Das Projekt macht mir immer nochSpaß, aber zwischendurch wünsche ich mir eine kleine, rettende Pille, wie Laktose-Intoleranz-Patienten sie haben. Etwas, das mir erlaubt, doch mal ein Crepe zu essen. Oder ein paar Kekse… Doch bisher ist nichts dergleichen auf dem  Markt zu finden, also diese Gedanken einfach streichen und daran denken, wie viele positive Seiten eine Glutenunverträglichkeit haben kann.

Zunächst dominiert natürlich das Gefühl, man  bekäme etwas weggenommen. Besinnt man sich jedoch auf die Dinge, die man darf, muss man aus dem eingefahrenen Trott ausbrechen und neue kulinarische Genüsse entdecken. Experimentieren, Dinge probieren. Und wenn man das wirklich wollte, könnte man sich auch als Zöliakiepatient von Pommes, Pizza und dem anderen ungesunden Zeug ernähren, was man plötzlich zu vermissen glaubt. Ist dann eben ziemlich teuer!

Dienstags passiert nichts spannendes, ich muss zwei Mal auswärts essen, bekomme so langsam Übung! Habe mir die früher erwähnten Cornflakes gekauft, aber noch nicht gegessen.

Am Mittwoch schaue ich mich bei BUDNI um und muss feststellen, dass es hier einiges an glutenfreien Produkten gibt. Mein Herz macht einen Hüpfer und ich freue mich über Toastbrötchen und Schokokekse, die ich später an der Alster mit den Enten teile. Zum Abendessen will ich meinen etwas schlapp gewordenen Rucola verarbeiten und werfe es mit Parmesan, Olivenöl und Knoblauch in den Mixer. Pesto Rucola- himmlisch! Rezept findet ihr auch hier auf meinem Blog.

Donnerstag ist der lange Tag in der Uni und ich muss mir Brote machen. Eigentlich hasse ich geschmierte Stullen und akzeptiere sie nicht gerne als „Essen To Go“, aber etwas anderes bleibt mir nicht übrig. Zum Frühstück gab es die Schokoflakes von Kellogg’s- eine weitere Frühstücksalternative, die in meine Liste aufgenommen wurde.

Freitags steht ein Soziales Event an, das mir buchstäblich Bauschschmerzen bereitet. Eine Art „perfektes Dinner“ mit freundinnen, abwechselnd kocht eine von uns, jeden Monat wechselnd. Meine Mitbewohnerin macht selbst gemachte Maultaschen und ich entscheide mich, das Höllenfeedback meines Darms in Kauf zu nehmen, um nicht wieder eine Extrawurst zu sein und auch, weil ich das Essen unbedingt genießen will, denn es duftet köstlich und genau so schmeckt es dann auch. Patzer Numero Uno!

Samstag, Grand-Prix Tag.  Wieder viel unterwegs, Mittagessen beim Indischen Imbiss am Hauptbahnhof, gelber Reis und Hühnchen mit einer leichten Tomaten-Sahne-Sauce, landet auf der Liste für „Auswärts essen ohne Gefahr“. Zum Abendessen gibt es ein weiteres Mal Reisnudeln mit Erdnusssauce und Pak Choi. Ich bin begeistert von Reisnudeln. Ich wäre ohne dieses Projekt nie auf die Idee gekommen, sie zu probieren, und auch Pak Choi hätte ich nie entdeckt. Das ist das, wovon ich weiter oben gesprochen habe- wenn man die Augen ein wenig öffnet, lernt man viel Neues kennen. Es gibt ja nicht nur Brot und Nudeln auf der Welt!

Sonntags ging es notgedrungen in den EDEKA am Hauptbahnhof, da der Wocheneinkauf irgendwie verdaddelt wurde. Rette sich wer kann, das mache ich nicht mehr freiwillig, wenn es sich irgendwie vermeiden lässt! Viel zu viele Menschen auf viel zu wenig Raum, man könnte meinen, es wäre ein Fliegerbombeneinsatz angekündigt worden und alle müssten sich auf eine Woche im Schutzbunker vorbereiten, Herr Jesus, wtf. Die Auswahl an Sondernahrung für mich und Mitleidende ist allerdings erstaunlich gut. Nudeln, Brot, Kekse, alles, was man so zum überleben benötigt und zu normalen EDEKA – Preisen..
Sonst lief der Tag ziemlich unaufgeregt, ich habe noch eine Portion Indisch warm gemacht und mich ausgeruht. Hatte ich mir nach dem Run im HBF auch verdient!

~Dieses war der zweite Streich, doch der dritte folgt sogleich~

 

*glutenfrei Leben Pt. III – besser spät als nie

Liebe Freunde

meiner unzuverlässigen, treulosen Schreibe,
ich hoffe ihr könnt mir nachsehen, dass ich aufgund etlicher unvorhersehbarer Ereignisse in meinem Leben und aus gesundheitlichen Gründen mein Blog und damit euren Lesedurst ein wenig vernachlässigen musste.
Ich habe das Projekt nicht abgebrochen, nur die Berichterstattung. Ich habe den Monat bis zum bitteren Ende durchgezogen und davon werde ich euch jetzt ausführlich berichten. Allerdings etwas kürzer gefasst, nicht tageweise, ich habe das Gefühl, das sprengt einfach den Rahmen.

Woche 1 | Donnerstag – Sonntag

Am Donnerstag stehe ich vor der Herausforderung, quasi den ganzen Tag unterwegs zu sein. Es ist wirklich nicht sehr einfach, außerhalb glutenfrei zu essen, weil man entweder Dinge überhaupt nicht darf und das auch weiß, oder es so aussieht, als dürfe man es essen, aber nicht genau weiß, ob es nicht doch in irgendeiner Form mit Gluten in Berührung kam, z.B. kann eine Sauce ja sehr gut mit Mehl abgebunden sein oder in Currywurst wird auch oft Mehl als Dickungsmittel verwendet. Ich denke also darüber nach, was ich mitnehmen könnte und kippe 100 g glutenfreie Pasta und eine Dose Fisch in Tomatensauce zusammen, verpacke es in einer Tupper-Dose und nehme es mit zu meiner Freundin. Lässt sich durchaus essen (in der Not frisst der Teufel Fliegen) und Nudelsalat kann man in etlichen Varianten für unterwegs anfertigen. Scharf, mit Curry, mit Mayo, mediterran, asiatisch…
Mein Abendessen muss auch außerhalb eingenommen werden und ich stoße (auf dem Weg zu MCDonald’s, Pommes essen) auf einen Laden, der sich „Kumpir“ nennt. Sieht aus wie eine Dönerbude mit Sitzgelegenheiten, aber wir sind jung, arm und hungirg, also bleibe ich stehen und lese mir das „Menu“ durch. Jackpot! Kumpir verkauft Backkartoffeln zum Selbstzusammenstellen. Die Kartoffel mit Käse ist die Grundlage und dazu kann man alles mixen  & matchen, wonach das Herz begehrt. Huhn, Thunfisch, Mais, Bohnen, Salat, Feta, … verschiedene Saucen, Sour Cream… also quasi wie Subway nur eben mit Backkartoffeln und somit für Zöliakieleidende geeignet. Und bei einem Abendessen für unter 4 € kann man wirklich nichts sagen. Entdeckung des Tages !
Abends trinke ich noch ein Glas mich und esse ein paar glutenfreie „Oreo“-Kekse dazu. Mjamm! I like.
Freitagmorgen traue ich mich an das glutenfreie Leinsamenbrot und beherzige den Tipp, es zu toasten. Ungetoastet schmeckt es für mich einfach zu salzig und der intensive Eigengeschmack löst auch keine Begeisterungsstürme aus- aber wie gesagt: Geröstet schmeckt es okay.  Wenig später wird mir klar, warum Leinsamen als Wundermittel bei Verdauungsbeschwerden gelten. Es ist erst Tag 5 und langsam wird es schwierig, den Duft eines Bäckerladens zu ertragen. Früher hat mich das nie besonders angemacht. Aber jetzt scheinen die Backwaren noch leckerer auszusehen, extra für mich präsentieren sie sich im besten Licht. Aber ich wende mich ab und bin stark. Immerhin ist meine Schoko-Frühstücks-Creme glutenfrei. Abends bei einer Freundin, Wohnungseinweihung, danach auf den Kiez. Auf der Party esse ich jede Menge Süßigkeiten (Schokolade, M&Ms, Schaumküsse ohne die Waffel) und auf der großen Freiheit stille ich meinen Fastfood-Jieper dann mit POMDÖNER ! Die beste Erfindung aller Zeiten in diesem Moment, ein Anker im weiten, tosenden Meer, denn was sonst hätte ich auf dem Kiez essen sollen?
Am Samstag der ersten Woche überlege ich, was ich mal zum Abendbrot kochen könnte und einige mich mit mir selbst auf Risotto. Als ich dann das halbe Tütchen Risottoreis glücklich aus dem hintersten Eck meines Schrankes gekramt habe, zerplatzt mein Traum von einem cremigen, würzgen Reisgericht auch schon wieder: KANN SPUREN VON GLUTEN ENTHALTEN. Alles klar, Packung, du bist eh Ende 2011 abgelaufen, ich hätte dir ja noch die Chance gegeben, aber so nicht, Freundchen! Ab in die Tonne. Es gibt dann trotzdem „Risotto“ a.k.a. Reispampe mit Basmatireis, Parmesan, Sahne, frisch gehacktem Basilikum und Rucola. Noch ein paar Cocktailtomaten geviertelt dazu et voilà, le pseudo-Risotto est preparèe und fertig zum genießen. Lecker ! An diesem 6. Tag kommen mir erste Zweifel, ob dieses Experiment jemals jemandem außer mir nützen wird und hoffe es. Einen Nutzen bringt es auf jeden Fall: Ich ernähre mich gesünder. Ich denke eben mehr nach, wie ich einkaufen kann und was, ich koche öfter frisch, weil fertiges Essen kaum noch drin ist: Pizza, meine geliebten Pelmeni, allerhand Sorten Müsli und andersartiger Frühstückscerealien, in die ich absolut vernarrt bin… Aber die Liste des Verzichtes ist nicht länger als die Liste derer Dinge, die man dazugewinnt. Abwechslung auf jeden Fall. Man muss seine Fühler ausstrecken, damit man nicht immer das gleiche isst, und es gibt so viele Dinge, die man sonst einfach links liegen lässt. Eigentlich ist es gar nicht so schwer.
Dennoch lüstele ich am Sonntagmorgen nach Sonntagsfrühstück. Pancakes… arme Ritter… Zu diesem Zeitpunkt komme ich nicht auf die Idee, das man das auch ohne weiteres glutenfrei zubereiten kann, also esse ich, ihr dürft raten: Maiswaffel mit Frischkäse und Ei. Ich mag das sogar lieber als Brot oder Brötchen. Aber als meine Mitbewohnerin allerdings zwei Scheiben ihres selbst gebackenen Brotes in den Toaster legt und die ganze Küche mit dem Duft erfüllt wird, muss ich schon ein wenig schlucken. Allerdings lasse ich mich von den glutenfreien Erdbeeren trösten, die ich mir nun schon die ganze Woche fast jeden Tag gönne. Zum Abendessen gibt es Reste des Risottos, diesmal mit Hühnchenfleischbeilage.

Fortsetzung folgt!

*caketime

Heute habe ich glutenfreien Mandelkuchen gemacht. Schmeckt sehr lecker und ist gar nicht mal sooo trocken. Ein klassisches, schnörkelloses, einfaches Rezept. Gut für Anfänger geeignet! Los geht’s:

Mandelkuchen

Zutaten für eine Backform mit 26 cm Durchmesser
6 Eier (Größe M)
180 g Puderzucker
4 Tropfen Bittermandelöl/aroma
200g gemahlene Mandeln
4 EL Speisestärke (Maisstärke)
1 getstr. Löffel Backpulver

Ofen vorheizen auf 200 °C | Ober- und Unterhitze
Die Form am Rand einfetten und mit Stärke bestreuen. Gut abklopfen. Den Boden mit Backpapier belegen.

Zubereitung:

1. Die Eier und den Puderzucker in ca 3-5 Minuten auf höchster Stufe schaumig schlagen.
2. Das Bittermandelöl unterziehen.
3. Mandeln, Stärke und Backpulver vermischen und vorsichtig unter den Teig heben.
4. Kuchen etwa 35 Minuten backen, aus dem Ofen nehmen, 10 Minuten auskühlen lassen und auf eine Kuchenplatte o.Ä. stürzen. Backpapier abziehen, erkalten lassen, wieder umdrehen.
5. Nach Belieben verzieren- mit Puderzucker bestäuben, mit Schokolade besprenkeln… ganz nach Herzenslust!

Natürlich kann man jede beliebige gemahlene Nusssorte nehmen und zum Beispiel noch Schokotröpfchen mit unter den Teig heben- ganz nach Belieben! (: Ich habe einfach 60 g dunkle Schokolade gehackt und unter den Teig gezogen. Sie sind nach unten gesunken und bildeten eine Art „Boden“.

Guten Appetit!

Tipp:
Zum Thema stürzen: Vielleicht backen einige von euch nicht oft, deshalb hier doch mal der Hinweis. Stürzen bedeutet nicht, den Kuchen einfach umzudrehen und auf z.B. ein Gitter fallen zu lassen, denn dabei geht er kaputt. Don’t try this at home, sonst gibt es statt eines perfekt gestürzten Kuchens nur Bestürzung. Stattdessen einen Teller/Gitter/Platte was auch immer auf den Kuchen legen, den Kuchen also quasi zwischen dem Teller und der Form „einklemmen“, gut festhalten und dann mit etwas Schwung umdrehen. Voilà!

Mandelkuchen

*Geduld, bitte!

Liebe Leser,

ich habe nicht vergessen, dass ich euch mittlerweile die bereits vergangenen zwei Wochen vorenthalten habe. Die Zeit rast! Nur so viel: Ich habe schon zwei Mal gesündigt, aber das Projekt nicht abgebrochen. Heute ist Tag 17 von 28, geschrieben habe ich erst über drei. Am Ende kann ich einen Roman daraus machen! Es ist viel passiert. Ich versuche in den nächsten Tagen mal herauszufinden, wie ich eventuell Dateien zum Download anbieten kann, um eine Art Kochbuch / Essensplan zu eurer Verfügung stellen zu können.

Bleibt dran ihr Lieben und vielen, vielen Dank für euer Interesse!

*GLUTENFREI LEBEN, Pt. II

Heute geht es weiter mit meinem kleinen Bericht über die erste Woche meines Glutenfreien Monats.
Vonrweg aber eine Vorschau, was noch alles dazukommen soll:

* ein Rezeptbuch
* eine Liste mit „Spezialnahrungsmitteln“, also extra als „glutenfrei“ deklariertes, wie z.B. Nudeln, Brot, Kekse usw. mit Bewertungen, ob sie zu was nütze und genießbar sind.

Ja, das klingt nach nicht viel, aber es macht einiges an Arbeit, weil ich es auch gut für euch machen will.
Ich werde versuchen, auch auf den preislichen Vergleich zu herkömmlichen Produkten einzugehen.
Also nicht ungeduldig werden- es kommt alles und ich muss mich erst mal wieder daran gewöhnen, so regelmäßig und umfangreich zu schreiben 🙂

Aber bei so viel positiver Resonanz von eurer Seite werde ich motiviert weitre machen. So, nun zum Wesentlichen.

1. Woche
Dienstag
Heute will ich mein Glück auf Empfehlung des unten genannten Freundes in einem Supermarkt versuchen, der etwa 15 Minuten mit der Bahn von mir entfernt liegt: REAL. Ein Mal hin, alles drin? Let’s hope so. Wenn ich nicht bald eine gute, zuverlässige Quelle finde, wird mir das zu einseitig. Immer nur das, was ich bei Kaufland gefunden habe? Äußerst mager.Ich betrete als ja ähnlich groß ist wie Kaufland und auch ähnlich beleuchtet, aber immer hin ein bisschen besser sortiert. Ich habe mir zur Verstärkung noch eine Freundin mitgenommen. Wir schlendern also durch den Laden, kommen an einem Kühlregal voller Tofu und Fleisch-Ersatz-Produkte vorbei, was auch sehr erfreulich ist, denn auch meine Vegane Zeit wird kommen. Ich schaue zuerst ins Brotregal und stelle fest, das ich hiernichts glutenfreies finden werde. Mein Weg führt mich zur Kühlabteilung für Milchprodukte und bevor ich weiter meine Zeit veschwende, wie beim letzten Mal, spreche ich gleich eine Mitarbeiterin an, die grade damit beschäftigt ist, Joghurts ins Regal zu füllen. „Entschuldigen Sie, mich interessiert, ob sie ein Extra-Regal im Markt haben, mit glutenfreien Produkten?“ Ich lächle sie noch freundlich an. Motiviert antwortet sie mir: „Ja, sicher, das ist gleich hier drüben, ich zeige es Ihnen.“ Ich denke mir noch: Gleich hier drüben? In der Kühlwarenabteilung? Was haben denn Brot und Nudeln bei Joghurt und Käse zu suchen? Keine fünf Schritte weiter bleibt die Dame stehen und zeigt auf einen Abschnitt im Kühlregal. „Hier, bittesehr! Das ist alles, was wir an Spezialprodukten haben.“ Sie macht eine auslandende Handbewegung. Die Auswahl ist tatsächlich recht gut. Nur stehe ich leider vor einem Regal, das mir LAKTOSEFREIE Produkte darbietet… So viel zum Thema Verkäuferinnenfachkompetenz. Gluten und Lactose, iss doch alles dat gleische!!! Um mir noch mehr Sucherei zu sparen, rufe ich meinen Freund kurzerhand an und bekomme gesagt, wo sich das Regal befindet.
Als ich endlich davorstehe atme ich erleichtert auf. Alles schön ordentlich auf einem Fleck, sortiert und die Auswahl der verschiedenen Sachen ist auch nicht wirklich schlecht. Mein Blick fällt sofort auf die nach meinen Lieblingskeksen aussehende Packung (wenn ich jetzt verrate, dass es Oreo-Kekse sind, ist das dann Schleichwerbung und ich werde verklagt? Hm. Ich lasse es mal darauf ankommen). Ich bemerke, dass es auch zwei, drei Müslisorten gibt, die aber recht teuer sind und vor allem einfache Cornflakes. Gebildet, wie ich bin, bin ich der englischen Sprache mächtig und übersetze, dass „Cornflakes“ so viel wie „Maisflocken“ bedeutet. Müssten da nicht die „Originale“ aus dem Cerealienregal auch per se Glutenfrei sein?
Das lässt sich einfach herausfinden, da ja in Deutschland Gott sei Dank alle Zutaten und Allergene auf der Packung angegeben sein müssen. Konzentriert lese ich mir die Zutatenliste zu und werde zügig von einem netten Herrn angesprochen, der mich darüber aufklärt, er sein von Kellogg’s selbst und ob er mir denn helfen könne? Als ich ihn mit der Problematik konfrontiere gibt er zu: „Ohhhww.. Da haben sie mich jetzt aber eiskalt erwischt!“ Ich grinse süffisant. Er hat noch einen Kollegen dabei, der auch ratlos ist. Auf der Packung ist Gerstenmalz als zweite Zutat angegeben und ich kann absolut nicht mit Sicherheit sagen, ob es glutenfrei ist oder nicht. Da die Herren das auch nicht können, aber sehr bemüht sind, meine Komsumentenanfrage schnellstens zu bearbeiten, wird sofort das Mobiltelefon gezückt, um die Vertriebsleiterin zu kontaktieren, was prompt fehl schlägt, weil der Empfang in dem Laden so mies ist, wie er im Luftschutzbunker besser nicht sein könnte. Stahlbeton scheint günstig zu sein. Schließlich erreicht der Kollege, der mich zuerst angesprochen hat mit seinem Telefon die Dame vom Vertrieb und geben folgende Information an mich weiter: Nein, Gerstenmalz ist nicht glutenfrei, aber es gibt genau ein Produkt von Kellogg’s, welches mit 100%iger Sicherheit von Menschen mit Zöliake ohne gesundheitliche Bedenken genossen werden darf: Choco Krispies XXL. Die Packung ist hellblau mit einem lustigen Elefanten. Das ist doch immerhin ein kleiner Teilerfolg, der mich sehr freut, denn das Kellogg’s Produkt ist doch ein wenig günstiger als ein ähnliches Frühstückscereal der Marke GLUTANO.

Vor unserem Ausflug zu REAL waren meine Freundin und ich in dem daneben gelegenen, zweistöckigen Asiamarkt. Ich erspare euch eine Aufzählung der Kuriositäten fremder Kulturen. Nur so viel: Wir kaufen Reisnudeln, Erdnusssaucenpulver, eingelegte Lotuswurzeln und Pak Choi, was so eine Art Mangold ist, nur irgendwie anders. Sieht jedenfalls Mangoldähnlich aus. Reisnudeln sind natürlich, ihr habt es schon erraten, glutenfrei. Wenn ich für jedes Mal, dass ich dieses Wort erwähne, einen Euro bekäme, könnte ich hiermit richtig Geld verdienen, was meint ihr?
Okay, Spässle g’macht, zurück zum Thema. Zum Mittagessen hauen wir das alles in einen Wok und es ist total lecker. Ich nehme mir vor, das öfter zu machen. Überhaupt sind Reisnudeln eine Art Erlösung- ein Produkt mehr auf der Liste derer Dinge, die ich essen darf. Zum Nachtisch gibt es einen äußerst dubios aussehendes asiatisches Dessert. Es sieht aus, wie Pudding, bzw. es heißt auch Pudding- es kommt in den Sorten Orange, Erdbeere, Litschi und Honigmelone. Ich probiere Honigmelone. Gar nicht mal so schlecht- sogar meine Freundin, die wiederum keine Gelatine verträgt, darf „genießen“. Es schmeckt tatsächlich nach dem, wonach es angeblich schmecken soll, beinhaltet aber Stückchen von irgendetwas. Zuerst glauben wir, dass es die jeweilige Frucht ist. Nach einer kurzen Internetrecherche stellt sich heraus, dass die Beigabe etwas ist, dass sich „Nata de Coco“ nennt- gewürfelter Kokosnusssaft, der bakteriell fermentiert wurde (das wird z.B. auch mit der Milch gemacht, damit sie zu Joghurt wird) . Dabei bekommt der Saft dann eine Gelatine-atige Konsistenz, nur etwas bissfester. Von sich aus nicht sehr geschmacksintensiv wird es i.d.R. aromatisiert und auf den Philippinen als Dessert zu Puddings, anderen Süßspeisen oder Getränken gereicht. Ich sage dazu nur: UAHRKS und lasse das Zeug in den ohnehin schon verschwindend kleinen Bechern.
Am Abend werde ich dann noch einmal bekocht und der Tag klingt locker aus, mit ein wenig selbst gemachtem Zitronensorbet und einer halben Flasche Sekt.
Und dann ist es auch schon:

Mittwoch
… und mein Kopf miaut ein wenig vom Sekt. Ich verbringe einen sehr faulen Tag, koche nichts, sondern esse nur die Reispfanne von Montagabend auf und beschäftige mich Gedanklich damit, dass ich mich eigentlich noch mit Recherche zum Thema befassen will- gibt es nützliche Webseiten, Bücher, vielleicht sogar einen Einkaufsführer für Betroffene? Auf jeden Fall bin ich immer noch motiviert und bisher finde ich es überhaupt nicht kompliziert, mich glutenfrei zu ernähren. Das Gegenteil ist der Fall: Ich freue mich, dass ich mich jetzt mehr mit meiner Nahrungsaufnahme beschäftige. Ich esse im Moment definitiv überlegter und auch abwechslunsgreicher als vorher, weil alles, was man sich „mal so eben schnell“ machen kann, eben nicht mehr so schnell geht. Pizza in den Ofen, Nudeln mit Pesto… Klar, Nudeln mit Pesto ginge immernoch, ginge aber auch ins Geld und SO lecker sind die Spezialnudeln nicht. Nichts im Vergleich zu meinen geliebten Nudeln aus dem blauen Pappkarton. Auch unterwegs ist es nicht so einfach- außer Pommes und Döner in der Box ist die Auswahl doch recht beschränkt, was das Essen außerhalb angeht, weil entweder offensichtlich Gluten drin/dran ist, oder man nicht genau wissen kann, was nun verwendet wurde. Viele Saucen werden mit Mehl abgebunden (Beispiel: Asia-Imbiss) oder es wird einfach so Mehl verarbeitet (Burger Patty- Glutenfreiheit unsicher). Beim Bäcker was holen- muss ich jetzt ja nicht erklären, ihr seid ja inzwischen auch Experten, n’est pas?
Man muss generell besser planen: Was nehme ich mit zu essen, was kann ich unterwegs evtl. kaufen? Der Donnerstag, der mir bevorsteht, ist ein Feiertag und ich war zu faul einkaufen zu gehen… Überraschung! Was ich dann esse, werde ich mir dann ausdenken.
Der Tag war schnell vorbei und bis auf meine Gedanken zum Experiment auch äußerst unspannend.

-Fortsetzung folgt-

*selbst gemachtes Rucola Pesto

Ich hatte heute noch Rucola, der fast verwelkt war, eine Hand voll, zum wegwerfen zu schade, zum Salat machen zu schlapp. Was macht man damit?
PESTO!

Ganz fix zusammengemixt, eingeglast, auf die Nudeln, fertig, los!

Zutaten für ein kleines Glas Pesto (Pi-mal-daumen):
Eine Hand voll Rucolasalat (Rauke)
3 kleine Zweige Basilikum
1 kleine Knoblauchzehe
3 gehäufte EL geriebenen Hartkäse (oder mehr, oder weniger…)
Ein großzügiger Schwapp Olivenöl

Alles in den Mixer, kräftig pürieren. Oder in einem hohen Gefäß mit dem Mixstab.

Lasst die Küchenschlacht beginnen!

*GLUTENFREI LEBEN – Pt. I

Vorwort

Liebe Leser,

ich habe lange nicht geschrieben. Aber das hat Shakespeare auch nicht (hö hö hö).
Spaß beiseite. Seit längerem spukt die Idee in meinem Kopf herum, verschiedene Ernährungsformen auszuprobieren. Wie ihr wisst (oder vielleicht auch nicht) studiere ich Ökotrophologie und habe daher ein besonderes Interesse an der menschlichen Ernährung, das sich nur schwer leugnen lässt.
Ein guter Freund von mir leidet an so genannter Zöliakie (und noch diversen anderen Zipperlein, auf die hier nicht näher eingegangen werden kann), also eine Unverträglichkeit gegenüber des in unseren üblichen Getreidesorten befindlichen Kleberproteines Gluten.
Im Klartext: Er darf nichts essen, wo normales Mehl drin ist. Kein Brot, keine Brötchen, Kuchen nicht, Pfannkuchen auch nicht, Pizza fällt auch flach, von Nudeln mal ganz zu schweigen… Was man da noch essen soll, fragt ihr euch jetzt? Nun. Das habe ich mich auchgefragt und laut gerufen: CHALLENGE ACCEPTED! *Wink an alle How I Met Your Mother-Fans*
Zunächst wollte ich es auf eine Woche beschränken, bis mir klar wurde, dass mir unmöglich klar werden kann, welche Hürden es im Alltag zu bewältigen gibt, wenn sich kein Alltag aufbaut, was nun mal innerhalb einer Woche in der Regel nicht passiert. Also hab ich einen Monat daraus gemacht. Die erste Woche ist jetzt vorbei und ich möchte ein bisschen davon erzählen, wie es mir so ergangen ist.
Ich gehe in diesem Artikel nicht näher auf den medizinischen Hintergrund ein, wer interessiert ist, kann ja bei Wikipedia nachlesen.
Thank you for reading and enjoy! =)

Erfahrungsbericht 

 1. Woche

Montag
Ich ziehe mit meinem Handy als Diktiergerät bewaffnet, hungrig, um 11.30 Uhr in der Früh, los, um mein Projekt im Supermarkt um die Ecke zu beginnen. Denke Dinge wie: „Ach, was stellen die sich alle so an? Das wupp‘ ich doch mit links. Rückwärts! Während ich mir dabei noch die Haare wasche!“ und bin gut gelaunt. Sehe mein Projekt als Spiel und freue mich auf die Herausforderung.
In der Gemüse und Obstabteilung riecht es süß und himmlisch nach Erdbeeren. Erdbeeren sind 100% glutenfrei, also selbst, wenn ich an Zöliakie erkranken würde… solange ERDBEEREN erlaubt sind, kann es so schlimm ja nicht sein. Also weiter. Ich halte die Augen offen und gehe zunächst zum Regal mit der „Spezialnahrung“- Bioartikel, Grünkernschrot, Diabetikerschokolade und finde: Nichts. Absolut nichts, was Backwarenähnlich aussieht und sich mit dem Label „GLUTENFREI“ schmückt. Das muss ein Missverständnis sein! Der nächste Mitarbeiter wird angehauen und gefragt. Die Antwort ist ziemlich niederschmetternd: „Glutenfreie Produkte? Nee. Haben wir gar nicht. Wird zu wenig nachgefragt.“ Na, super. Und was soll ich jetzt essen? Mein Blick fällt auf einen Pappaufsteller, der überquillt vor etwas, das nach Reiswaffeln aussieht. Beim zweiten Hinsehen sind es Maiswaffeln und, TADA, sie tragen tatsächlich das GLUTENFREI Zeichen, eine durchgestrichene Weizenähre- und ich habe somit was zum Frühstück gefunden, worauf ich meinen Frischkäse schmieren kann. Trotzdem stehen die Gedanken nicht still: Wo ist eigentlich überall Gluten drin? In Mehl und Brot usw., logisch. Aber was istzum Beispiel mit den Fruchtzubereitungen im Joghurt? Würstchen? Oder… Haferflocken? Ist Gluten etwa in – ich wagekaum, es zu denken – Schokolade? Die Kunden im Edeka halten mich sicher für verrückt oder denken, ich bin ein Spion- jeder kleinste Eindruck oder Gedanke wird sofort ins Mobiltelefon hineingenuschelt, damit ich mich später an alles erinnere.

Nach dem Frühstück fühle ich mich satt, bin aber misstrauisch, wie lange das vorhalten kann. So ein paar Maiswaffeln, ein bisschen Ei, ein bisschen Jogurt mit Erdbeeren- das kann ja nicht lange satt halten… oder doch? Die nächsten Mahlzeiten, also Zwischenmahlzeit und Mittagessen, muss ich außer Haus einnehmen, weil ich mit Freundinnen bei IKEA verabredet bin, um den Umzugstransporter zu fahren. Hilflos stecke ich ein paar trockene Maiswaffeln ein, um mich notfalls über den schlimmsten Hunger hinwegtrösten zu können. Irgendwann ein paar Stunden später greife ich dann tatsächlich zu den Maiswaffeln, die sofort sämliche Flüssigkeit aus meinem Mund aufsaugen und ein Gefühl wie „Wüste Gobi“ in meinem Mund hinterlassen, aber immerhin beruhigen sie meinen Magen.
Als wir den Transporter zurück zu IKEA gebracht haben, wollen die Ladies natürlich noch ihr obligatorisches Hot Dog essen. Mein Magen grummelt inzwischen gehörig und ich überlege, ob ich vielleicht wenigstens das Würstchen essen könnte- aber dann fallen mir meine Bedenken von heute morgen wieder ein und ich verzichte tapfer darauf. Lasse die beiden essen und mache mich auf den Weg zur zur S-Bahn.
Da mein Einkauf am morgen weitestgehend erfolglos verlaufen ist, beschließe ich, einen Kaufland-Markt zwei Bahnstationen entfernt aufzusuchen. Ich mag diesen Markt so schon nicht, weil mich die Auswahl und Größe in Kombination mit dem Neonlicht förmlich erschlägt- also schlussfolgere ich, dass es bestimmt ein riiiesen Regal mit glutenfreien Produkten geben wird und mache mich auf den Weg. Dort angekommen kaufe ich zunächst etwas Gemüse und Hackfleisch,denn heute Abend soll es Reispfanne geben. Einmal durch den ganzen Markt gelaufen, zur Kasse und wieder zurück- nirgendwo kann ich das gewünschte Regal entdecken. Ich begebe mich also zum Informationsschalter, trage der äußersten gelangweilten Mitarbeiterin mein Anliegen vor und werde abermals enttäuscht: „Sonderregal? Nee. Also, wenn was da ist, dann steht das beim jeweiligen Sotiment einfach dazwischen. Bittesehr.“ Gut, also noch mal von vorne, die Basics. Nudeln. Eine Sorte verfügbar. Besser als nichts. Glutenfreies Mehl zum Brot backen? Keins, dafür aber eine Pizzateigbackmischung und zwei Brotbackmischunge eine davon landet im Wagen. Auch die Backwarenabteilung gibt mir ein wenig Hoffnung. Ich kaufe zwei Sorten Brot und lasse die Brötchen erst Mal weg. Im Keksregal hoffe ich vergeblich, irgendetwas zu finden, was meinen Süßhunger stillen kann- nicht eine Sorte Kekse ist glutenfrei. Schade. Immerhin weiß ich jetzt, dass Schokolade meistens Glutenfrei ist. Und Sojasauce? Leider nicht immer.

Ich bin am Abend dieses Tages jedenfalls sehr dankbar, als ich vor meiner glutenfreien Hackfleisch-Gemüse-Reis-Pfanne sitze und mich satt essen kann.
Und das war erst der Montag…