*glutenfrei Leben Pt. III – besser spät als nie

Liebe Freunde

meiner unzuverlässigen, treulosen Schreibe,
ich hoffe ihr könnt mir nachsehen, dass ich aufgund etlicher unvorhersehbarer Ereignisse in meinem Leben und aus gesundheitlichen Gründen mein Blog und damit euren Lesedurst ein wenig vernachlässigen musste.
Ich habe das Projekt nicht abgebrochen, nur die Berichterstattung. Ich habe den Monat bis zum bitteren Ende durchgezogen und davon werde ich euch jetzt ausführlich berichten. Allerdings etwas kürzer gefasst, nicht tageweise, ich habe das Gefühl, das sprengt einfach den Rahmen.

Woche 1 | Donnerstag – Sonntag

Am Donnerstag stehe ich vor der Herausforderung, quasi den ganzen Tag unterwegs zu sein. Es ist wirklich nicht sehr einfach, außerhalb glutenfrei zu essen, weil man entweder Dinge überhaupt nicht darf und das auch weiß, oder es so aussieht, als dürfe man es essen, aber nicht genau weiß, ob es nicht doch in irgendeiner Form mit Gluten in Berührung kam, z.B. kann eine Sauce ja sehr gut mit Mehl abgebunden sein oder in Currywurst wird auch oft Mehl als Dickungsmittel verwendet. Ich denke also darüber nach, was ich mitnehmen könnte und kippe 100 g glutenfreie Pasta und eine Dose Fisch in Tomatensauce zusammen, verpacke es in einer Tupper-Dose und nehme es mit zu meiner Freundin. Lässt sich durchaus essen (in der Not frisst der Teufel Fliegen) und Nudelsalat kann man in etlichen Varianten für unterwegs anfertigen. Scharf, mit Curry, mit Mayo, mediterran, asiatisch…
Mein Abendessen muss auch außerhalb eingenommen werden und ich stoße (auf dem Weg zu MCDonald’s, Pommes essen) auf einen Laden, der sich „Kumpir“ nennt. Sieht aus wie eine Dönerbude mit Sitzgelegenheiten, aber wir sind jung, arm und hungirg, also bleibe ich stehen und lese mir das „Menu“ durch. Jackpot! Kumpir verkauft Backkartoffeln zum Selbstzusammenstellen. Die Kartoffel mit Käse ist die Grundlage und dazu kann man alles mixen  & matchen, wonach das Herz begehrt. Huhn, Thunfisch, Mais, Bohnen, Salat, Feta, … verschiedene Saucen, Sour Cream… also quasi wie Subway nur eben mit Backkartoffeln und somit für Zöliakieleidende geeignet. Und bei einem Abendessen für unter 4 € kann man wirklich nichts sagen. Entdeckung des Tages !
Abends trinke ich noch ein Glas mich und esse ein paar glutenfreie „Oreo“-Kekse dazu. Mjamm! I like.
Freitagmorgen traue ich mich an das glutenfreie Leinsamenbrot und beherzige den Tipp, es zu toasten. Ungetoastet schmeckt es für mich einfach zu salzig und der intensive Eigengeschmack löst auch keine Begeisterungsstürme aus- aber wie gesagt: Geröstet schmeckt es okay.  Wenig später wird mir klar, warum Leinsamen als Wundermittel bei Verdauungsbeschwerden gelten. Es ist erst Tag 5 und langsam wird es schwierig, den Duft eines Bäckerladens zu ertragen. Früher hat mich das nie besonders angemacht. Aber jetzt scheinen die Backwaren noch leckerer auszusehen, extra für mich präsentieren sie sich im besten Licht. Aber ich wende mich ab und bin stark. Immerhin ist meine Schoko-Frühstücks-Creme glutenfrei. Abends bei einer Freundin, Wohnungseinweihung, danach auf den Kiez. Auf der Party esse ich jede Menge Süßigkeiten (Schokolade, M&Ms, Schaumküsse ohne die Waffel) und auf der großen Freiheit stille ich meinen Fastfood-Jieper dann mit POMDÖNER ! Die beste Erfindung aller Zeiten in diesem Moment, ein Anker im weiten, tosenden Meer, denn was sonst hätte ich auf dem Kiez essen sollen?
Am Samstag der ersten Woche überlege ich, was ich mal zum Abendbrot kochen könnte und einige mich mit mir selbst auf Risotto. Als ich dann das halbe Tütchen Risottoreis glücklich aus dem hintersten Eck meines Schrankes gekramt habe, zerplatzt mein Traum von einem cremigen, würzgen Reisgericht auch schon wieder: KANN SPUREN VON GLUTEN ENTHALTEN. Alles klar, Packung, du bist eh Ende 2011 abgelaufen, ich hätte dir ja noch die Chance gegeben, aber so nicht, Freundchen! Ab in die Tonne. Es gibt dann trotzdem „Risotto“ a.k.a. Reispampe mit Basmatireis, Parmesan, Sahne, frisch gehacktem Basilikum und Rucola. Noch ein paar Cocktailtomaten geviertelt dazu et voilà, le pseudo-Risotto est preparèe und fertig zum genießen. Lecker ! An diesem 6. Tag kommen mir erste Zweifel, ob dieses Experiment jemals jemandem außer mir nützen wird und hoffe es. Einen Nutzen bringt es auf jeden Fall: Ich ernähre mich gesünder. Ich denke eben mehr nach, wie ich einkaufen kann und was, ich koche öfter frisch, weil fertiges Essen kaum noch drin ist: Pizza, meine geliebten Pelmeni, allerhand Sorten Müsli und andersartiger Frühstückscerealien, in die ich absolut vernarrt bin… Aber die Liste des Verzichtes ist nicht länger als die Liste derer Dinge, die man dazugewinnt. Abwechslung auf jeden Fall. Man muss seine Fühler ausstrecken, damit man nicht immer das gleiche isst, und es gibt so viele Dinge, die man sonst einfach links liegen lässt. Eigentlich ist es gar nicht so schwer.
Dennoch lüstele ich am Sonntagmorgen nach Sonntagsfrühstück. Pancakes… arme Ritter… Zu diesem Zeitpunkt komme ich nicht auf die Idee, das man das auch ohne weiteres glutenfrei zubereiten kann, also esse ich, ihr dürft raten: Maiswaffel mit Frischkäse und Ei. Ich mag das sogar lieber als Brot oder Brötchen. Aber als meine Mitbewohnerin allerdings zwei Scheiben ihres selbst gebackenen Brotes in den Toaster legt und die ganze Küche mit dem Duft erfüllt wird, muss ich schon ein wenig schlucken. Allerdings lasse ich mich von den glutenfreien Erdbeeren trösten, die ich mir nun schon die ganze Woche fast jeden Tag gönne. Zum Abendessen gibt es Reste des Risottos, diesmal mit Hühnchenfleischbeilage.

Fortsetzung folgt!

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Ein Gedanke zu “*glutenfrei Leben Pt. III – besser spät als nie

  1. Kumpir war so ziemlich der erste Laden in den uns deine „Mitbewohnerin“ geschlepp hat, als wir mal vor Ort waren… 😉 Kenne mich also bestens mit dem Laden aus^^

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