*GLUTENFREI LEBEN – Pt. I

Vorwort

Liebe Leser,

ich habe lange nicht geschrieben. Aber das hat Shakespeare auch nicht (hö hö hö).
Spaß beiseite. Seit längerem spukt die Idee in meinem Kopf herum, verschiedene Ernährungsformen auszuprobieren. Wie ihr wisst (oder vielleicht auch nicht) studiere ich Ökotrophologie und habe daher ein besonderes Interesse an der menschlichen Ernährung, das sich nur schwer leugnen lässt.
Ein guter Freund von mir leidet an so genannter Zöliakie (und noch diversen anderen Zipperlein, auf die hier nicht näher eingegangen werden kann), also eine Unverträglichkeit gegenüber des in unseren üblichen Getreidesorten befindlichen Kleberproteines Gluten.
Im Klartext: Er darf nichts essen, wo normales Mehl drin ist. Kein Brot, keine Brötchen, Kuchen nicht, Pfannkuchen auch nicht, Pizza fällt auch flach, von Nudeln mal ganz zu schweigen… Was man da noch essen soll, fragt ihr euch jetzt? Nun. Das habe ich mich auchgefragt und laut gerufen: CHALLENGE ACCEPTED! *Wink an alle How I Met Your Mother-Fans*
Zunächst wollte ich es auf eine Woche beschränken, bis mir klar wurde, dass mir unmöglich klar werden kann, welche Hürden es im Alltag zu bewältigen gibt, wenn sich kein Alltag aufbaut, was nun mal innerhalb einer Woche in der Regel nicht passiert. Also hab ich einen Monat daraus gemacht. Die erste Woche ist jetzt vorbei und ich möchte ein bisschen davon erzählen, wie es mir so ergangen ist.
Ich gehe in diesem Artikel nicht näher auf den medizinischen Hintergrund ein, wer interessiert ist, kann ja bei Wikipedia nachlesen.
Thank you for reading and enjoy! =)

Erfahrungsbericht 

 1. Woche

Montag
Ich ziehe mit meinem Handy als Diktiergerät bewaffnet, hungrig, um 11.30 Uhr in der Früh, los, um mein Projekt im Supermarkt um die Ecke zu beginnen. Denke Dinge wie: „Ach, was stellen die sich alle so an? Das wupp‘ ich doch mit links. Rückwärts! Während ich mir dabei noch die Haare wasche!“ und bin gut gelaunt. Sehe mein Projekt als Spiel und freue mich auf die Herausforderung.
In der Gemüse und Obstabteilung riecht es süß und himmlisch nach Erdbeeren. Erdbeeren sind 100% glutenfrei, also selbst, wenn ich an Zöliakie erkranken würde… solange ERDBEEREN erlaubt sind, kann es so schlimm ja nicht sein. Also weiter. Ich halte die Augen offen und gehe zunächst zum Regal mit der „Spezialnahrung“- Bioartikel, Grünkernschrot, Diabetikerschokolade und finde: Nichts. Absolut nichts, was Backwarenähnlich aussieht und sich mit dem Label „GLUTENFREI“ schmückt. Das muss ein Missverständnis sein! Der nächste Mitarbeiter wird angehauen und gefragt. Die Antwort ist ziemlich niederschmetternd: „Glutenfreie Produkte? Nee. Haben wir gar nicht. Wird zu wenig nachgefragt.“ Na, super. Und was soll ich jetzt essen? Mein Blick fällt auf einen Pappaufsteller, der überquillt vor etwas, das nach Reiswaffeln aussieht. Beim zweiten Hinsehen sind es Maiswaffeln und, TADA, sie tragen tatsächlich das GLUTENFREI Zeichen, eine durchgestrichene Weizenähre- und ich habe somit was zum Frühstück gefunden, worauf ich meinen Frischkäse schmieren kann. Trotzdem stehen die Gedanken nicht still: Wo ist eigentlich überall Gluten drin? In Mehl und Brot usw., logisch. Aber was istzum Beispiel mit den Fruchtzubereitungen im Joghurt? Würstchen? Oder… Haferflocken? Ist Gluten etwa in – ich wagekaum, es zu denken – Schokolade? Die Kunden im Edeka halten mich sicher für verrückt oder denken, ich bin ein Spion- jeder kleinste Eindruck oder Gedanke wird sofort ins Mobiltelefon hineingenuschelt, damit ich mich später an alles erinnere.

Nach dem Frühstück fühle ich mich satt, bin aber misstrauisch, wie lange das vorhalten kann. So ein paar Maiswaffeln, ein bisschen Ei, ein bisschen Jogurt mit Erdbeeren- das kann ja nicht lange satt halten… oder doch? Die nächsten Mahlzeiten, also Zwischenmahlzeit und Mittagessen, muss ich außer Haus einnehmen, weil ich mit Freundinnen bei IKEA verabredet bin, um den Umzugstransporter zu fahren. Hilflos stecke ich ein paar trockene Maiswaffeln ein, um mich notfalls über den schlimmsten Hunger hinwegtrösten zu können. Irgendwann ein paar Stunden später greife ich dann tatsächlich zu den Maiswaffeln, die sofort sämliche Flüssigkeit aus meinem Mund aufsaugen und ein Gefühl wie „Wüste Gobi“ in meinem Mund hinterlassen, aber immerhin beruhigen sie meinen Magen.
Als wir den Transporter zurück zu IKEA gebracht haben, wollen die Ladies natürlich noch ihr obligatorisches Hot Dog essen. Mein Magen grummelt inzwischen gehörig und ich überlege, ob ich vielleicht wenigstens das Würstchen essen könnte- aber dann fallen mir meine Bedenken von heute morgen wieder ein und ich verzichte tapfer darauf. Lasse die beiden essen und mache mich auf den Weg zur zur S-Bahn.
Da mein Einkauf am morgen weitestgehend erfolglos verlaufen ist, beschließe ich, einen Kaufland-Markt zwei Bahnstationen entfernt aufzusuchen. Ich mag diesen Markt so schon nicht, weil mich die Auswahl und Größe in Kombination mit dem Neonlicht förmlich erschlägt- also schlussfolgere ich, dass es bestimmt ein riiiesen Regal mit glutenfreien Produkten geben wird und mache mich auf den Weg. Dort angekommen kaufe ich zunächst etwas Gemüse und Hackfleisch,denn heute Abend soll es Reispfanne geben. Einmal durch den ganzen Markt gelaufen, zur Kasse und wieder zurück- nirgendwo kann ich das gewünschte Regal entdecken. Ich begebe mich also zum Informationsschalter, trage der äußersten gelangweilten Mitarbeiterin mein Anliegen vor und werde abermals enttäuscht: „Sonderregal? Nee. Also, wenn was da ist, dann steht das beim jeweiligen Sotiment einfach dazwischen. Bittesehr.“ Gut, also noch mal von vorne, die Basics. Nudeln. Eine Sorte verfügbar. Besser als nichts. Glutenfreies Mehl zum Brot backen? Keins, dafür aber eine Pizzateigbackmischung und zwei Brotbackmischunge eine davon landet im Wagen. Auch die Backwarenabteilung gibt mir ein wenig Hoffnung. Ich kaufe zwei Sorten Brot und lasse die Brötchen erst Mal weg. Im Keksregal hoffe ich vergeblich, irgendetwas zu finden, was meinen Süßhunger stillen kann- nicht eine Sorte Kekse ist glutenfrei. Schade. Immerhin weiß ich jetzt, dass Schokolade meistens Glutenfrei ist. Und Sojasauce? Leider nicht immer.

Ich bin am Abend dieses Tages jedenfalls sehr dankbar, als ich vor meiner glutenfreien Hackfleisch-Gemüse-Reis-Pfanne sitze und mich satt essen kann.
Und das war erst der Montag…

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