*über das Wetter

Der Ort des Geschehens: Hamburg City, 6.45 Uhr. Ein kurzer Blick auf meinen Wecker, anschließend aus dem Fenster, das nach Norden ausgerichtet und daher per se nicht besonders Licht spendend ist, verrät mir nichts gutes. Erstens: Es ist viiiel zu früh. Zweitens: Wann kommt die Flut?
Die vergangenen beiden Tage waren wettertechnisch wirklich bombig (28 °C , Sommer, Sonne, gute Laune). Naja, bis auf den Tagesabschluss gestern, als wir unter einem Regenschirm um den Grill herumstanden und verzweifelt versuchten, die Kohlen zum Glühen zu bringen.
Aber als echter Hamburger ist man nicht aus Zucker, daher absolut kein Problem, man muss nur alles mit Humor nehmen. Ganz und gar nicht witzig finde ich aber das Bild, das sich mir keine 20 Sekunden nach dem Aufwachen bei einem Blick aus meinem Schlafzimmerfenster bietet- drei Mal dürft ihr raten: grau. graumelliert.
An und für sich habe ich nichts gegen Grau, aber nach zwei Tagen vielversprechendem, Kraft spendendem Sonnengelb ist dashier nicht wirklich eine Motivation. Da hatte man grade die erste Wärme adsorbiert, die Fühler ein wenig aus dem Erdloch gestreckt, in dem man den ganzen Winter- oder zumindest die letzten zwei Wochen- gesteckt hat, die süße  Aktivierungsenergie gekostet und schon wird einem der Lebenswillen auf brutalste Weise wieder entrissen.
Der Wetterbericht kann mich auch nicht trösten: Vor nächste Woche keine Temperaturen über 18 °C- ich hol dann mal die Kiste mit den Herbstklamotten aus dem Keller…

Hamburg ist eine schöne Stadt, keine Frage, unangefochten, möchte hier wirklich niemand bestreiten. Dennoch sieht bei hellem, leuchtendem Tageslicht alles noch schöner aus. Und wenn hier nicht bald der Sommer anfängt, ich schwöre bei allem, was mir heilig ist, wandere ich aus! Ich spiele jede Woche mindestens zwei Mal mit dem Gedanken, mein Konto zu plündern und Hals über Kopf ein paar Tage irgendwohin zu flüchten- ganz egal wo hin, Hauptsache, dort gibt es Sonne. Wärme. An fünf bis zehn Tagen in Folge, maximal unterbrochen durch einen kurzen Regenschauer oder ein elektrisierendes Gewitter. Ich wäre bereit, eine Summe dafür aufzubringen, die man sicherlich sinnvoller  und langfristiger investieren könnte aber Verzweiflungstaten und Überstürzung haben eben ihren Preis. Scheiß auf die Uni!  Klausuren kann man wiederholen.
Depressionen sind nicht so leicht zu therapieren.

Vielleicht wirken die Hamburger auch deshalb etwas zurückgenommen und kühl. Das Klima prägt die Menschen seit jeher und das stürmische, feuchtkalte Klima des Nordens sorgt oft nicht wirklich für gute Laune. Sicher, es gibt auch viele schöne Dinge, die man drinnen tun kann. Unzählige! Aber dafür habe ich doch einen ganzen Herbst und den Winter danach Zeit genug. Ich habe oft über Strategien nachgedacht, dieses Wetter irgendwie zu kompensieren und es in meine Wahrnehmung zu integrieren, sodass ich es nicht mehr schlimm finden muss. Zwang mich zu Gedanken wie „toll, hier kannst du auch im Sommer in die Sauna gehen“ und „so lernt man die schönen Tage wenigstens zu schätzen“, oder „die Kinos sind tagsüber sowieso leerer“- aber nichts davon konnte das Ding reißen und mich überzeugen. Es mir leichter machen. Und da die Deutschen bekanntlich gerne jammern und sich beschweren, habe ich für  heute meine Portion Klischee an den Mann gebracht.

Zum Glück habe ich meinen knallgelben Regenschirm, ebenso wie meine gelben Vorhänge. Wenn die zu sind, sieht es aus, als würde die Sonne scheinen und das ganze Zimmer ist in goldenes, warmes Licht getaucht. Wenn ich nähen könnte, hätte ich einen kleinen Laden auf St. Pauli, würde die buntesten und verrücktesten Regenmäntel und Gummistiefel verkaufen und wäre vermutlich stinkreich.

In diesem Sinne: Einen schönen Tag, Freunde!

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